Behandlung
Bandrekonstruktion
Überblick
Bänder halten Gelenke über ihren Bewegungsumfang hinweg in Ausrichtung. Ist ein Band gerissen und nicht direkt naht-fähig – weil es akut nicht versorgt wurde, weil das Gewebe degeneriert ist oder weil die Verletzung damals nicht erkannt wurde –, wird das Gelenk instabil, belastet sich fehlerhaft und verschleißt mit der Zeit. Die Rekonstruktion stellt mit einem Sehnentransplantat oder ortsständigem Gewebe die Funktion des fehlenden Bandes wieder her. Ziel ist es, die Stabilität zurückzugeben und eine fortschreitende Arthrose zu verhindern; der Eingriff ist aufwendiger als eine direkte Naht.
Für wen kommt das infrage?
Patienten mit symptomatischer Instabilität: ein Daumen mit chronischer Verletzung des ulnaren Seitenbandes, der beim Zugreifen nachgibt; ein Handgelenk mit skapholunärer Dissoziation; ein Fingergelenk, das subluxiert; oder ein Ellenbogen mit Bandinstabilität nach Luxation. Die Gelenkflächen müssen noch weitgehend erhalten sein – ist bereits eine deutliche Arthrose eingetreten, löst eine Bandrekonstruktion das Problem nicht, und ein Rettungseingriff ist angemessener. Akute Verletzungen werden in der Regel besser direkt genäht als rekonstruiert; deshalb wird eine Verletzung wie der komplette Riss des ulnaren Daumenseitenbandes am besten früh erkannt und versorgt, statt nach Monaten der Instabilität.
Wie der Eingriff abläuft
Durchgeführt in Regional- oder Vollnarkose, meist ambulant und länger dauernd als eine Naht. Das Gelenk wird dargestellt, das verbliebene Band und die Gelenkflächen werden beurteilt, und an den anatomischen Ansatzpunkten werden Bohrkanäle angelegt. Ein Sehnentransplantat – häufig der Musculus palmaris longus, der bei einem Teil der Menschen fehlt und deshalb vorher geprüft wird – wird durch die Kanäle geführt, bei korrekt gehaltenem Gelenk gespannt und mit Nähten, Ankern oder Interferenzschrauben fixiert. Bei einer skapholunären Rekonstruktion wird die Stellung der Handwurzelknochen korrigiert und gehalten, gelegentlich mit temporären Drähten. Die Stabilität wird vor dem Verschluss auf dem Tisch geprüft und das Gelenk in Schutzstellung ruhiggestellt.
Genesungsverlauf
Eine Schutzphase von etwa sechs Wochen in Gips oder Schiene erlaubt dem Transplantat, knöchern einzuheilen; eine frühe Belastung ist die übliche Ursache des Versagens. Temporäre Drähte werden, wo verwendet, nach sechs bis acht Wochen entfernt. Die Bewegung wird anschließend unter handtherapeutischer Anleitung gesteigert, die Kräftigung beginnt nach etwa drei Monaten, und die Rückkehr zu schwerer körperlicher Arbeit oder Kontaktsport erfolgt meist nach fünf bis sechs Monaten. Das Transplantat baut sich über ein Jahr weiter um. Ein gewisser Verlust der endgradigen Beweglichkeit ist üblich und ein akzeptierter Preis für die Stabilität.
Risiken und Abwägungen
Eine erneute Instabilität oder ein Transplantatversagen kommt vor, häufiger bei bereits degenerativem Gelenk oder wenn die Schutzphase nicht eingehalten wurde. Steifigkeit und ein bleibender Verlust eines Teils der Beweglichkeit sind in gewissem Umfang zu erwarten und fallen gelegentlich stärker aus. Beschwerden an der Entnahmestelle sind meist gering, umfassen aber Narbenempfindlichkeit und veränderte Sensibilität. Infektion, Nervenverletzung – besonders von Ästen des Radialisnervs am Daumen – und Implantatreizung kommen vor. Das Fortschreiten zur Arthrose wird durch eine gelungene Rekonstruktion vermindert, aber nicht aufgehoben, insbesondere bei lange bestehender Verletzung. Ist das Gelenk bereits verschlissen, ist die Rekonstruktion der falsche Eingriff, und das wird in der Sprechstunde gesagt statt hinterher festgestellt.
Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Behandlung wird für jeden Patienten individuell festgelegt.
