Behandlung
Frakturversorgung
Überblick
Die meisten Brüche an Hand und Handgelenk heilen ohne Operation. Eine Osteosynthese kommt zum Einsatz, wenn die Fragmente von allein nicht in akzeptabler Stellung bleiben, wenn die Gelenkfläche unterbrochen ist, oder wenn eine ausreichend lange Ruhigstellung im Gips mehr Steifigkeit kosten würde, als sie an Stellung gewinnt. Platten, Schrauben, Drähte oder ein äußerer Fixateur halten den Knochen in korrigierter Position, während er biologisch heilt. Das Metall heilt den Bruch nicht – es schafft die Bedingungen, unter denen der Knochen selbst heilt, und sein wesentlicher Vorteil an der Hand ist, dass früh mit der Bewegung begonnen werden kann.
Für wen kommt das infrage?
Patienten mit verschobenen oder instabilen Frakturen, Gelenkbrüchen mit Stufe oder Spalt, Rotationsfehlstellung eines Fingers – funktionell bedeutsam, selbst wenn sie im Röntgenbild gering erscheint –, offenen Frakturen, mehreren Brüchen derselben Hand und Frakturen, die im Gips bereits abgerutscht sind. Die Kahnbeinfraktur ist ein Sonderfall: Verschobene Brüche werden versorgt, unverschobene können versorgt werden, um die Ruhigstellung zu verkürzen oder wenn ein hohes Pseudarthroserisiko besteht. Unverschobene stabile Frakturen in zuverlässiger Stellung werden besser im Gips oder in der Schiene behandelt, und keine Operation verbessert dieses Ergebnis.
Wie der Eingriff abläuft
Die Technik richtet sich nach der Fraktur. Kirschner-Drähte werden bei vielen Finger- und Mittelhandbrüchen unter Bildwandlerkontrolle perkutan eingebracht und später in der Sprechstunde entfernt. Platten und Schrauben werden offen eingebracht und bieten eine Stabilität, die sofortige Bewegung erlaubt – ihre wesentliche Begründung an der Hand. Kopflose Kompressionsschrauben kommen beim Kahnbein und bei bestimmten Gelenkfrakturen zum Einsatz. Ein äußerer Fixateur wird verwendet, wenn die Weichteile für eine interne Versorgung zu geschädigt sind oder wenn über einer Trümmerzone die Länge gehalten werden muss. Die meisten Eingriffe erfolgen ambulant in Regional- oder Vollnarkose unter durchgehender Bildwandlerkontrolle, und die Stabilität wird vor dem Verschluss intraoperativ geprüft.
Genesungsverlauf
Die knöcherne Heilung an Hand und Handgelenk dauert typischerweise sechs bis zwölf Wochen, am Kahnbein länger. Bei stabiler Versorgung beginnt die geschützte Bewegung innerhalb von Tagen – genau darin liegt der Sinn des Eingriffs. Kirschner-Drähte werden meist nach drei bis sechs Wochen entfernt. Zwischen den Therapieeinheiten wird häufig eine abnehmbare Schiene getragen. Leichte Tätigkeiten sind früh möglich, Autofahren nach etwa vier bis sechs Wochen je nach Hand und Versorgung, schwere körperliche Arbeit oder Kontaktsport nach etwa drei Monaten, sobald die Durchbauung gesichert ist. Die Handtherapie läuft durchgehend mit. Schwellung und Steifigkeit brauchen länger als der Knochen, und die volle Griffkraft kehrt oft erst nach sechs Monaten zurück.
Risiken und Abwägungen
Steifigkeit ist das häufigste Problem nach Handfrakturen und der Grund, warum frühe Bewegung wichtiger ist als ein perfektes Röntgenbild. Infektionen kommen vor, besonders an perkutanen Drähten, weshalb die Pin-Pflege bedeutsam ist. Implantate können störend hervortreten und müssen gelegentlich in einem zweiten, kleineren Eingriff entfernt werden. Pseudarthrose und Fehlverheilung treten auf, häufiger am Kahnbein und bei Rauchern, und können eine Revision oder Spongiosaplastik erfordern. Sehnenreizung oder -ruptur über einer Platte ist bekannt, besonders streckseitig am Handgelenk. Nervenverletzung, komplexes regionales Schmerzsyndrom und posttraumatische Arthrose nach Gelenkfrakturen sind möglich. Rauchen beeinträchtigt die Knochenheilung messbar, und es aufzugeben gehört zu den wenigen Faktoren, die vollständig in Ihrer Hand liegen.
Diese Seite dient der allgemeinen Information und ersetzt keine ärztliche Beratung. Die Behandlung wird für jeden Patienten individuell festgelegt.
